Fangzeit

Träume von Welten in den Zwischenräumen.
Als hätte die Wirklichkeit Falten,
in denen man sich verstecken kann.
Als dehnte sich ein Wimpernschlag
zu einem ganzen Leben aus.
Zeit hat kaum Bedeutung
und zwischen zwei Augenblicken liegen Dekaden.
Und in diese Zwischenwelten kann man sich verirren,
tausend Ideenblitze toben im Kopf herum,
Gedanken wie Schmetterlinge
und im Gespräch mit einem anderen Menschen
scheint man im eigenen Kopf
mit einem Schmetterlingsnetz herumzulaufen.
Doch fängt man immer den falschen….

Damals

Der Koffer ist mein schwerster Klotz am Bein,
ich stand mit ihm am Bahnsteig verlassen.
den schlepp ich mit ins Jetzt hinein.
ich wollte schreien, ich wollte hassen.

Der Inhalt wog schwer in meiner Hand,
es ereilt mich alter Schmerz mit Macht,
böses Tun hatte mein Herz verbrannt.
Habe ich ihn jemals aufgemacht?!

Die Seile vermochte ich nicht abzuschneiden,
mein ungeborenes Kind hat er beschmutzt.
mit dem Seelengewicht stets zu leiden,
meinen guten Willen ausgenutzt.

Wie eine entzündete Wunde auf dem Herzen
Ich war blind, hab’s doch gesehen.
nie wirklich geheilt, immer wieder Schmerzen.
Sie ging zu ihm, trotz meines Fleh’ns.

Das Jetzt stets begleitet vom Gestern,
Anständig mussten wir sein,
trenne sie! Sie sind keine Schwestern.
ließen das Nein ein Jawort sein.

Faultier

Ein Faultier hing an einem Ast,
kopfüber, schön am ruh’n.
Es macht seit drei Jahren Rast,
Was soll’s auch anderes tun?

Es hat sich damals angestrengt,
wollte einer Schnecke weichen,
sich dabei den Rücken fast verrenkt.
das war des Faultiers Pausenzeichen.

Da baumelt’s lieber ganz gemächlich,
am Tage wie in der Nacht,
bewegt nen Zeh einmal täglich,
Denkt: nun hab ich Sport gemacht.

Ab und zu sieht’s ne Schnecke rennen,
die sind ihm zu hektisch und rastlos.
Da ist es doch lieber am pennen,
ein faules Tier am Ast bloß.

Kreisverkehrt

Ein Kreisel kreist, um stramm zu stehn!
In starre Form scheint er gegossen.
„Ich möcht‘ nicht kreisen, will wieder stehn.
Meine schönen Farben sind verflossen!“
Es schwindelt dem Kreisel heftig,
dem Drall kann er nicht trotzen.
In seinem Bauch übelt’s ihm deftig.
„Ach, mir ist zum Kotzen!“

Ach, Wal!

Der fahle Wal hatte die Qual der Wahl,
schwamm bang und klamm das Land an.
Am Sand gestrandet, von Blicken umrandet,
Liegt nun das dicke Viech verrenkt und denkt:
Hätt‘ ich doch nur anders gelenkt.

Meine Nacht

Liederlich widerliche Widrigkeiten
finden sich windend gleich
schlanken Ranken um kranke
Träume, die wie Bäume
schon fest geankert im
Leben meiner Nacht, ach seit
Dekaden dem faden Tag
die zweite Seite zeigen.
Jene obskure Fuhre böser
Dämonen, die ohne Schlaf
schlaff in Ecken hocken,
festgezurrt an Sonnenpflocken.
Des Mondes Licht löst die Fesseln
und nun sind sie entwischt, wie Brei
vermischt in meine Dunkelwelt,
dort Unfug treibend. Das ist mein Ort,
ihr blöden Viecher! Hinfort getrollt!
Seid nicht gewollt! Flugs erneut gepfählt!

Lach mal wieder

Ich hätte gerne ein Päckchen Lachpulver
und wenn das ausgelacht ist,
möchte ich Humorgürkchen im Glas.
Und zum Nachtisch will ich einen Lustiglutscher.
Nachmittags trinke ich im Café Glücksschlagobers
eine große Tasse Quietschfidele Melange
mit einem großen Stück Grinsekuchen,
mit viel Schokolade, aber ohne Sahne.

Moin

Im HuschHusch-Körbchen war’s schön.
Geborgenheit mit mir selbst und meiner Decke,
während draußen die Welt gefriert.
Noch ein Weilchen, noch ein Weilchen,
doch es rast der Zeiger, was zeigt er?
Bewegung ist alles. Nichts steht still,
nichts, das sich nicht bewegen will.
Von Wollen kann ich nicht reden.
Wegen des Mangels an gelben Scheinen,
setze ich mich auf. Braunschwarzes Heiß.
Die Sonne, die ist gelb, schickt ihr Hell.

Stütze

Schichtenschälerei des Nachts.
Bis der Kerngedanke freiliegt.
Ein dunkelblaues Gebilde
mit schwarzen Flecken
und blutroten leuchtenden Streifen,
die es durchziehen.
Das Ding vibriert, pulsiert und
lässt ein drohendes Grollen vernehmen.
Ich träume von einem Gewitter in mir,
von der schmerzenden Stelle,
dem verletzten Kern,
dessen Ganglien
mein Ich durchziehen und vergiften.
Ich muss erst meine Schichten wiederfinden
und sie wie Decken um mich hüllen,
um wach zu werden und aufstehen zu können.
Durchhalteparolen.
„Schau, was Du hast.“ „Du bist nicht allein.“
„Es gibt Schlimmeres.“ „Das ist nicht Dein Ende.“
Sie sind mein Korsett für den Tag.