Anstand adé

Es krampft mir im Gedärm ob all des Hasses und der Fremdenfeindlichkeit. Ein Gehabe, als stünden die Türken wieder vor Wien. Fehlt nur noch, jemand riefe erneut zur Reconquista auf. So schnell schwindet der Verstand, so wenig ist Erlerntes wert – es schaukelt einmal nur das Boot, schon erbrechen wir den Anstand über die Reling.

Verengter Horizont

Ich habe mich nie für einen Ausländerfeind gehalten. Doch ich ertappe mich dabei, dass ich angesichts vieler Meldungen irritiert reagiere. Ich weiß seit den frühen 80er Jahren, dass jede dritte Frau Opfer sexueller Gewalt wird. Damals lag der Fokus nicht auf ausländische Täter und ich hatte mitnichten den Eindruck, dass mehr Frauen von Personen mit Migrationshintergrund vergewaltigt werden, sondern schlicht von Männern. Es gab in den letzten Jahren ab und zu Meldungen von Vergewaltigungen in Indien, die durch Gruppen von Männern durchgeführt wurden – sehr irritierend. Ich fragte mich, was da in Indien los ist, aber ich suchte keine Antwort. Köln schockierte mich. Ich kann nur ahnen, wie schrecklich das sein muss, in einer Gruppe regelrecht eingeklemmt zu sein, begrapscht und missbraucht zu werden. Was muss das für eine Beklemmung sein, eine totale Ohnmacht….. Berlin, Schwimmbäder…. und immer wieder heißt es, die Täter haben einen Migrationshintergrund. Es wird immer schwieriger für mich, mich aus diesem Nachrichtenkorsett zu befreien – ein Nachrichtenpanzer! Hinzu kommen Meldungen aus der Türkei – die Unterdrückung der Meinungsfreiheit.  Angeblich darf der IS in Ankara eine Art diplomatische Vertretung eröffnen. Ganz zu schweigen von Salafisten, vom Umgang mit Frauen in Ländern wie Saudi-Arabien und von Anschlägen vielerorts wie beispielsweise in Frankreich. Es gäbe viele Beispiele. Das macht es einem ganz schön schwierig Menschen oder Völker nicht über Kämme zu scheren. Ich will kein Schäfer sein! Ich glaube aber, dass es an den geballten einschlägigen Nachrichten liegt, die meinen Horizont einschränken wollen oder eine eingeschränkte Weltsicht transportieren. Hier stimmt offensichtlich etwas nicht. Die Nachrichten beschreiben nicht die Wirklichkeit, sondern verzerren sie. Denn es wird nach wie vor jede dritte Frau sexuell missbraucht – von Männern, nicht häufiger von Ausländern, Flüchtlingen, Asylanten oder Deutschen mit Migrationshintergrund. Ich lasse mich nicht von diesem Nachrichtennetz einfangen.

Zeitwert

Wegezeit ist ein Punkt oder ist unendlich. Geschwindigkeit mal Zeit ist Weg. Wenn Zeit Null ist, erreiche ich niemals ein Ziel oder ich bin längst dort. Oder ich verharre im Hier und Jetzt, stecke fest. Zeit hat Streitwert, weil meine Zeit nicht Deine ist. Verdammte Zeit, verdammtes Syndrom der Extreme.

Nichts für die Schublade

Ein Buch – ich schreibe jetzt wohl eines. Zumindest habe ich einen Vertrag mit einem Verlag. Keine Prosa – es sind Personen des öffentlichen Lebens in einem Landkreis, die ich darin vorstellen soll. Für jeden Band ist ein Jahr angesetzt. Dann muss er fertig sein. Mein erstes Buch – es darf nicht in der Schublade enden.