Gourmand oder Gourmet 

Zeit, Du bist gefräßig.

Unersättlich verschlingst 

Du die Wirklichkeit 

mit jeder Stunde,

als sögest Du das Leben

in Deinen Schlund.

Festkrallen möchte man sich

an jeden vergehenden  Augenblick

und schmerzvoll trauern

um jede verpasste Gelegenheit,

wütend ob seiner Blindheit.

Was hätte man noch alles tun

oder lassen können.

Welchen Genuss hat man verpasst,

ein Liebeswort, eine Umarmung, ein Kuss.

Wie dumm ist man im Jetzt,

nur klüger im Blick zurück.

Die Zukunft schrumpft,

die Wahl wird enger,

lohnt es sich noch 

etwas zu beginnen?

Doch kann die Lebenszeit

noch golden sein,

sie zwingt uns, 

den flüchtigen Moment zu schätzen.

Denn das letzte Tun

ist die beste aller Chancen.

Nur durch Endlichkeit 

ist man wahrhaftig glücklich.

Drum weine nicht

um eine verpasste Gelegenheit.

Kämpfe um jeden Funken der Freude und Liebe.

Sei ein Gourmet des Lebens.

Feiere jeden Wimpernschlag wie ein großes Fest.

Dann hast Du in der Zeit gelebt.

Berlin

Westberliner Flair,
der olle Muff vergangener Glanztage.
Der vergessene Koffer
in der Brasserie Alt-Tegel.
Flanieren in den Spätsommerkleidern
und Brillenketten aus der Vorwendezeit.
Sie genießen die Herbstsonne bei einem Glas Löwenbräu.
Großeltern spendieren den Enkeln ein Eis.
Selbst die Hunde bschnüffeln sich gediegen.
Urberliner unter sich,
die Welt könnte an der Mauer enden.

(Spätsommer 2011)

Freund

Wind, mein Freund!
Du verbeißt Dich in mein Dach.
Ich wollte Dir lauschen
wie Du Bäume zum schreienden Rauschen bringst
und Dosen zum Tanzen.
Du sollst den Regen peitschen
bis ich den Traumfänger wieder ins Fenster hänge.
Von tropfnasser Wut war nie die Rede!
Lass ab von meinen Schindeln!
Erzähle mir lieber vom Meer
und den prickelnden Sehnsüchten schlafender Frauen.

(30.09.2011)