Hände

Ich könnte jetzt schlafen. Wirklich schlafen.

Im Altenheim stirbt jede Woche ein Bewohner. Das ist im Winter so, sagt man mir.

Ich könnte jetzt schlafen, wirklich schlafen.

Wer noch etwas zu erledigen hat, stirbt später, sagen sie. Herr R. Ist der nächste, meint man. „Sind Sie aus Bochum?“, fragt er mich. Nein, ich bin immer hier, erkläre ich ihm. Er ist nur noch ein Strich. Er weiß nicht mehr wo er ist. Bis vor drei Wochen war er ein lieber, belesener Herr, der Ringelnatz zitierte. Doch sein Herz macht nicht mehr mit. Da fing er mit dem Weinen an – zwei Wochen lang. In der dritten kam er ins Spital. Jetzt ist er zurück – zu seinem letzten Akt.

Schlafen könnt‘ ich. Doch wer lebt morgen noch? Wer ist dann tot? 

Ich verschließe mein Herz nicht ganz. Doch schon zum großen Teil – zum Schutz.

Schlafen werd‘ ich nun, bin morgen wieder da…. und halte seine oder eine andere sterbend‘ Hand.